Michael Koetzle in "Schwarzweiss / Monochrome" 18/1998:
- Fotografien sind Güter von hohem kulturellem Rang, dabei
- als Werke auf Papier - außerordentlich fragil. Speziell
Farbfotografien (nach chromogenen Verfahren) haben sich als in
besonderem Maße unstabil erwiesen. Bei
unsachgemäßer Lagerung ist gerade ihre Haltbarkeit auf
höchstens ein paar Jahre zu bemessen. Wer ernsthaft sammelt,
wird sich folglich - schon im eigenen Interesse - mit
konservatorischen Fragen, Fragen der korrekten Aufbewahrung und
Präsentation sowie des richtigen Handlings befassen
müssen. Literatur hierzu existiert seit langem - allerdings
überwiegend in englischer Sprache und auf die Belange der
Forschung bzw. professioneller Anwender ausgerichtet.
"Faustregeln für die Fotoarchivierung" ist so gesehen der
erste praxisorientierte Ratgeber in deutscher Sprache, der den
alltäglichen Belangen öffentlicher wie privater
Fotosammlungen auf ebenso kompetente wie verständliche Weise
Rechnung trägt. Angelegt ist der nun bereits in einer
dritten Auflage editierte schmale Guide nach dem Muster eines
Katechismus. In Gestalt eines konsequent durchgehaltenen
"binären" Regelwerks wird sozusagen Punkt für Punkt
erklärt, was - mit Blick auf Farb- wie
Schwarzweissfotografien - zu tun bzw. zu unterlassen ist. Eine
klare Gliederung nach Stichworten ("Klima & Licht",
"Wasserschaden", "Raum", "Schachtel", "Hülle", "Hantieren"
usw.) erleichtert das rasche Auffinden spezieller Problembereiche,
wenngleich jedem Sammler die komplette Lektüre des Titels
ausdrücklich empfohlen sei. Ein Literaturverzeichnis sowie
Bezugsquellen für getestete Archivmaterialien runden das
Bändchen ab: ein Werk, das man ohne weiteres als
Voraussetzung jeder fotografischen Sammeltätigkeit bezeichnen
darf.
Auch "Farbfehler!" rückt Probleme der
Konservierung und Restaurierung in den Mittelpunkt des Interesses,
konzentriert sich freilich ganz auf farbfotografische Verfahren
und wendet sich darüber hinaus wohl doch eher an ein
Fachpublikum, das Fundiertes etwa über "Grundfragen der
Fotokonservierung". "Normen der Bildstabilität" oder
"Digitale Rekonstruktion ausgebleichter Farbfotografien" erfahren
möchte. Genaugenommen ist der Reader die gedruckte Essenz
eines Fachsymposiums, das unter dem Motto "Gegen das Verschwinden
der Farbfotografien" Ende September 1997 in Dresden stattgefunden
hat. Immerhin zwei Beiträge - von Mogens S. Koch
("Grundfragen der Fotokonservierung") und Christine Rottmeier
("Konservatorische Planung und Betreuung von Ausstellungen") -
wären auch für private "Anwender" uneingeschränkt
von Nutzen. Im übrigen gilt einmal mehr: Wer ernsthaft
Fotografie sammelt bzw. sich für die spezifischen
Eigenschaften seines Mediums interessiert, kann von der
Lektüre auch dieser verdienstvollen Schrift nur profitieren.
Sonderhefte 1 bis 7:
Videodokumentationen zur Geschichte der Fotografie:
© bei Autoren und Redaktion. Angaben ohne
Gewähr. Stand: 26.11.2001. Online-Redakteur: Wolfgang
Jaworek